Für Eltern
Diese Angst ist kein Rückschritt
Trennungsangst gehört in den ersten Lebensjahren zur normalen Entwicklung. Sie ist sogar ein gutes Zeichen: Sie zeigt, dass dein Kind eine enge Bindung zu dir aufgebaut hat und dich als sicheren Hafen erlebt.
Etwa ab dem ersten Lebensjahr begreift ein Kind, dass Mama und Papa auch dann noch da sind, wenn es sie gerade nicht sehen kann – die sogenannte Objektpermanenz, ein Meilenstein der kognitiven Entwicklung. Genau deshalb tut ein Abschied überhaupt weh: Dein Kind weiß, dass du irgendwo bist. Was ihm oft noch fehlt, ist das Gefühl für Zeit und die Gewissheit, dass du sicher zurückkommst. Diese Gewissheit wächst mit jeder Trennung, die gut ausgeht. Anstrengend ist die Phase trotzdem, für alle Beteiligten.
Im Anhang des Buches steht deshalb ein Miniratgeber: was in dieser Phase hilft, woran du erkennst, dass die Angst über das normale Maß hinausgeht, und an wen du dich dann wenden kannst.
Tipp 1
Abschiedsrituale etablieren
Ein kurzer, immer gleicher Satz. Ein Herz auf die Hand gemalt. Wiederholung gibt Sicherheit, weil das Kind weiß, was als Nächstes kommt.
Tipp 2
Rückkehr ankündigen
Sag klar, wann du wiederkommst – „Nach dem Mittagessen hole ich dich ab“ – und halte dich unbedingt daran.
Tipp 3
Abschied kurz halten
Dramatische, lang gezogene Abschiede verstärken die Angst. Bleib liebevoll, aber bestimmt.
Tipp 4
Kleine Trennungen üben
Beginne früh mit kurzen, erfolgreichen Trennungen. Jede einzelne stärkt das Vertrauen darauf, dass du zurückkommst.
Und wann ist es mehr als eine Phase?
Wenn die Angst entwicklungsmäßig unpassend, übermäßig intensiv und anhaltend ist und den Familienalltag erheblich beeinträchtigt, lohnt sich professioneller Rat. Als Faustregel nennt der Miniratgeber vier Wochen. Die erste Anlaufstelle ist die Kinderarztpraxis – dort erfolgt eine erste Einschätzung und bei Bedarf eine Überweisung. Das Buch benennt die Warnzeichen konkret.